Klassifikation des Diabetes mellitus

I. Diabetes mellitus Typ 1 (absoluter Insulinmangel aufgrund von B-Zellzerstörung)
10% der Erkrankungen

A. Immunologisch bedingt
B. Idiopathisch

II. Diabetes mellitus Typ 2 (relativer Insulinmangel aufgrund einer Insulinresistenz der Zielzellen;
Insulinsekretion kann erniedrigt, normal oder gesteigert sein) 90% der Erkrankungen

Frühere, nicht mehr gültige Bezeichnungen:
Typ 1 entspricht juveniler Diabetes entspricht IDDM (insulin-dependent diabetes mellitus)
Typ 2 entspricht Altersdiabetes entspricht NIDDM (non insulin-dependent diabetes mellitus)

III. Andere Diabetestypen mit bekannten Ursachen (alle selten !!!)

A. Genetische Defekte der B-Zellfunktion

Chromosom 12, HNF-1a (MODY3) Maturity Onset Diabetes of the Young
Chromosom 7, Glukokinase (MODY2)
Chromosom 20. HNF-4a (MODY1)
Mitochondriale DNA (MIDD, Maternally Inherited Diabetes and Deafness)

B. Genetische Defekte der Insulinwirkung

1. Insulinresistenz Typ A, 2. Leprechaunismus, 3. Rabson-Mendenhall-Syndrom,
4. Lipatrophischer Diabetes

C. Erkrankungen des exokrinen Pankreas

1. Pankreatitis, 2. Trauma/Pankreatektomie, 3. Neoplasmen, 4. Zystische Fibrose,
5. Hämochromatose, 6. Fibrokalzifizierende Pankreatitis

D. Endokrinopathien

1. Akromegalie, 2. Cushing-Syndrom, 3. Glukagonom, 4. Phäochromozytom, 5. Hyperthyreose,
6. Somatostatinom, 7. Aldosteronom (primärer Hyperaldosteronismus)

E. Medikamentös-toxisch induziert

1. Vacor (Rattengift), 2. Pentamidin, 3. Nikotinsäure, 4. Glukokortikoide, 5. Schilddrüsenhormone, 6. Diazoxid, 7. b-adrenerge Agonisten, 8. Thiazid-Diuretika, 9. Dilantin, 10. a -lnterferon

F. Infektionen

1. Kongenitale Röteln, 2. Zytomegalievirus

G. Seltene, immunologisch bedingte Formen

1. "Stiff-man"-Syndrom, 2. Anti-Insulin-Rezeptor-Antikörper

H. Andere, manchmal mit Diabetes assoziierte Syndrome

1. Down-Syndrom, 2. Klinefelter-Syndrom, 3. TurnerSyndrom, 4. Wolfram-Syndrom,
5. Friedreichsche Ataxie, 6. Chorea Huntington, 7. Lawrence-Moon-Biedel-Syndrom,
8. Dystrophia myotonica, 9. Porphyrie, 10. Prader-Willi-Labhart-Syndrom

IV. Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)


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Diagnostische Kriterien des Diabetes mellitus

Symptome des Diabetes (Polyurie, Polydipsie und sonst nicht zu erklärender Gewichtsverlust) und Plasmaglukose bzw. im kapillären Vollblut >=200 mg/dl =11,1 mmol/l zu einem beliebigen Zeitpunkt des Tages (ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt der letzten Mahlzeiteneinnahme). oder

Nüchtern-Plasmaglukose >=126 mg/dl =7,0 mmol/l (Glukose im kapillären Vollblut >=110 mg/dl =6,1 mmol/l). Nüchtern bedeutet: Keine Kalorienzufuhr für wenigstens acht Stunden. oder

2h-Plasmaglukose bzw. im kapillären Vollblut >200 mg/dl =11,1 mmol/l während eines OGTT. Testdurchführung nach WHO-Richtlinien mit 75 g Glukose (oder äquivalenter Menge hydrolysierter Stärke), aufgelöst in Wasser.

Ohne die eindeutigen Zeichen der Hyperglykämie mit metabolischer Dekompensation müssen die Ergebnisse der Glukosebestimmung durch Wiederholungsmessungen zu einem späteren Zeitpunkt bestätigt werden.

Die Anwendung des oralen Glukosetoleranztests (OGTT) wird für die klinische Routine nicht empfohlen.

Die der Diagnose eines Diabetes zugrundeliegende Glukosemessung muß mit einer qualitätskontrollierten Labormethode erfolgen. Geräte, die zur Selbstmessung durch den Patienten konzipiert sind, eignen sich hierfür nicht!


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Durchführung des oralen Glukosetoleranz-Tests

(nach WHO-Richtlinien)

Durchführung am Morgen (nach 10 bis 16stündiger Nahrungskarenz) nach einer mindestens dreitägigen Ernährung mit mehr als 150 g Kohlenhydraten/Tag. Patient in sitzender oder liegender Position. Rauchen vor und während des Tests nicht erlaubt.

Zum Zeitpunkt 0 trinkt der Patient 75 g Glukose (oder äquivalente Menge hydrolysierte Stärke) in 250 bis 300 ml Wasser innerhalb von 5 Minuten. Kinder erhalten 1,75 g/kg Körpergewicht (bis maximal 75 g). Blutentnahmen zur Glukosebestimmung zu den Zeitpunkten 0 und 120 Minuten (der 60-Min-Wert ist nicht obligatorisch).

Es ist von großer praktischer Bedeutung, daß längeres Fasten oder eine Kohlenhydratmangel-Ernährung auch bei Gesunden zur pathologischen Glukosetoleranz führen kann.

Es ist unnötig, bei Patienten, die Medikamente erhalten, die bekanntermaßen die Glukosetoleranz verschlechtern, einen OGTT durchzuführen.


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Diabetes-Screening bei Gesunden

Tests sollten in Betracht gezogen werden bei allen Personen, die 45 Jahre oder älter sind. Bei Normalbefunden sollte Wiederholung nach drei Jahren erfolgen.

Tests sollten in Betracht gezogen werden bei jüngeren Personen oder in kürzeren Intervallen durchgeführt werden, wenn:

ein Übergewicht vorliegt (>= 20 Prozent Normalgewicht oder BMI >= 27 kg/m2)
eine erstgradig Verwandte/r einen Diabetes hat
eine Frau ein Kind mit > 4000 g geboren hat oder bei ihr ein Gestationsdiabetes festgestellt wurde
ein Hypertonus vorliegt ( >= 140/90 mmHg)
eine Hyperlipidämie mit HDL-Cholesterin <= 35 mg/dl und/oder Triglyzeriden >= 250 mg/dl vorliegt
eine frühere Untersuchung eine gestörte Glukosetoleranz oder eine abnorme Nüchternglukose ergeben hat

Quelle: Deutsches Ärzteblatt 1998, 95: C-2217


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Folgen des Diabetes

Hyperglykämie (Überzuckerung), Lipolyse (Fettabbau),Proteinabbau --> Gewichtsabnahme.
Lipolyse --> Abbau zu Acetoacetat, beta-Hydroxybutyrat und schließlich Aceton (3 Ketokörper)
--> typ. Mundgeruch, --> Azidose --> Kussmaul-Atmung, --> ketoazidot. Koma
Lipolyse --> In der Leber Anhäufung von Triglyzeriden --> Fettleber
Proteinabbau --> Muskelschwäche
Niere: Glukosurie, Aminoazidurie, Elektrolytverl., osmot. Diurese i.e.S. --> Durst, --> hyperosmolares Koma
Elektrolytverluste --> Wadenkrämpfe, Juckreiz

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Insulinüberschuß --> Hypoglykämie (Unterzuckerung)
durch Insulin-Überdosierung und/oder zu viel Bewegung und/oder zu wenig Nahrung
Folge: Hypoglykämie --> Heißhunger, ­-> Sympathikustonus --> Tachykardie, Schweißausbruch, Zittern
Glukosemangel in ZNS --> Krampfanfall, Bewußtlosigkeit (hypoglykämischer Schock)

Erste Hilfe (auch ohne Differentialdiagnose zum ketazidot. Koma): Glukagonspritze oder Zuckerstückchen

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